E-Books werden nicht nur zum Verkaufserfolg bei Leser/-innen. Auch in den Schulen gibt es große Aufgeschlossenheit. Lehrbücher aller Fächer eines Schuljahres nicht mehr mitschleppen zu müssen oder dummerweise eines zu Hause vergessen zu haben, sind kein Thema mehr. Nicht zu reden von dem ersparten Aufwand des Ausgebens, Einsammelns, Aufbewahrens, Nachbestellens in Bundesländern mit Lernmittelfreiheit. Allein in Hessen umfasst die Verwaltungsarbeit dafür ca. 100 Lehrerstunden. In jeder Schule werden ein oder mehrere Räume als Magazin gebraucht. In den meisten Schulen werden die Bücher Tage vor Ferienbeginn eingesammelt und in den ersten Tagen nach Ferienende ausgegeben. Den Unterrichtsausfall infolge fehlender Lehrbücher hat noch niemand beklagt.

Die digitale Lektüre kann mit einer Interpretationshilfe kombiniert werden. Sach- und Fachbücher können multimedial angereichert werden (Lexikon, Fotos, Karten, Animationen, Clips). Die Verlage können die Bücher über Internet aktualisieren oder korrigieren.
Allerdings dürfte der finanzielle Aufwand nicht geringer werden: Statt gedruckter Lehrbücher, die immer wieder neu von Eltern oder dem Land gekauft werden, braucht es jetzt technische Geräte, eBook-Reader oder Tablets, die kaputtgehen können, die geladen werden müssen und auch nur eine begrenze Lebensdauer haben. Der "content" und seine Updates müssen ebenfalls bezahlt werden.

Ob die Leser/-innen das "enriched e-book" wollen, ist noch nicht entschieden. Leser/-innen eines Romans wollen sich darin vertiefen und in der Regel nicht durch Bonusmaterial wie Videoclips mit Autoreninterviews oder interaktiven Karten der Handlungsorte hindurchklicken.

Untersuchungen bei US-amerikanischen Schülern und Studenten zufolge, kommen in Zeiten der Prüfungsvorbereitung Papier, Bleistift und gedruckte Bücher wieder zu Ehren. Man ist sich bewusst, dass die digitalen Medien die Konzentration erschweren können. Youtube, MySpace, Spiele und Internetmail sind nur einen Klick entfernt.

Noch steckt auch die Technik noch in den Kinderschuhen. Lesbarkeit, Bedienungsfreundlichkeit, Dateiformate, vieles ist noch nicht ausgereift und nutzerfreundlich. Allerdings arbeiten Programmierer an "smarten" E-Books, , in denen man vor- und zurückblättern oder Seiten überfliegen kann. its Man muss den Urlaubskoffer nicht mit schweren Büchern vollpacken, man kann die Lesbarkeit durch Zoomen verbessern, markieren und Notizen machen. Möglicherweise werden junge Leute gerade wegen des technischen Mediums an das Lesen herangeführt.

Ein ganz großes Problem sind die Rechte. E-Books werden i. R. nicht verkauft wie gedruckte Bücher und gehen in den Besitz des Käufers über. Die Verlage oder Internetkonzerne erlauben digitale Kopien, Weiterverkauf oder Nutzung auf mehreren Lesegeräten nicht oder nur sehr eingeschränkt.
Der physische Besitz wird beim E-Book zukünftig wohl auch keine Rolle mehr spielen. Das Medium erlaubt Zugriff und Speicherung auf externen Servern (Cloud). Weder das häusliche Bücherregal noch die eigene Festplatte werden benötigt. Oder das digitale Buch wird konsumiert wie ein gestreamter Spielfilm. Wer das Buch auch physisch besitzen will, kauft es in der Papierversion.

Wenig sinnvoll erscheint, dass jede einzelne Schule bzw. Schulbibliothek eine eBook-Lizenz erwirbt und eine konventionelle Ausleihe an einen einzelnen Leser "simuliert". Bei E-Books besteht die Möglichkeit, ein Buch nicht einmal zu verleihen, es nach der Leihfrist zurückzufordern bzw. zu sperren und dann erneut auszuleihen. Ein E-Book könnte wie ein Musiktitel bei iTunes zeitgleich mehrfach "ausgeliehen" werden. Wünschenswert wäre ein auf schulische Bedürfnisse und junge Leser/-innen abgestimmtes Angebot. Für die elektronischen "Buchhandlungen" der Internetkonzerne Amazon, Apple, Google stehen die Bedürfnisse von Schulen (und öffentlichen Bibliotheken) aber nicht im Vordergrund. Die derzeitigen Lizenzbedingungen sind für diese Institutionen eher hinderlich. Verlage wollen an der einzelnen Ausleihe mitverdienen oder verlangen von Bibliotheken höhere Buchpreise.

Siehe auch im Schulbibliotheks-Weblog Basedow1764 mehrere Einträge unter dem Suchwort Kindle!

Kostenlose digitale Bücher gibt es bei mehreren Anbietern, u. a. (überwiegend in Englisch) bei
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