Die Klagen, dass Schülerinnen und Schüler schlecht lesen können und damit überfordert scheinen, Informationen aus Büchern und Zeitungen zu entnehmen, sind älter als PISA-Untersuchungen zur Lesekompetenz und Klagen über kritiklosen Umgang mit Suchmaschinen.

Eine Benutzerschulung für Informationssuche im Print- und Digitalbereich wird von Bibliothekaren als notwendig erachtet. Entsprechende Befunde bei Studentinnen und Studenten scheinen dies nahezulegen. Wie das die UB Stuttgart macht

Hauptziel der Schule ist, Wissen und Bildung zu vermitteln. Das ist mehr, als Kompetenzen im Suchen und Finden zu erwerben.
Suchmaschinen werden ständig verbessert. Die Entwicklung von Archie bis zu Google Instant ist beeindruckend. Elektronische Bibliothekakataloge sind dagegen i. d. R. sehr viel weniger benutzerfreundlich. Das soll sich aber ändern.
Ein großer Teil der technischen Benutzerschulung (Stichworte: Syntax, Boole´sche Operatoren) kann zunehmend wegfallen , weil die Suchmaschinen eine "unscharfe" Eingabe erlauben (Ziel: Die semantische Suchmaschine).
→ "Suchmaschinen für Kinder und Jugendliche", in: Basedow1764

Mit Vermittlung von Informationskompetenz befasste Hochschullehrer (R. Todd, D. Oberg,D. Loertscher) setzen inzwischen auf "Guided Inquiriy". Sie sehen in der Informationssuche mehr als Benutzerschulung und erwarten vom Schulbibliothekar bzw Infomationsspezialisten eine ganzheitliche, pädagogische Sicht des Rechercheprozesses. Diese umfasst entwicklungs- und lernpsychologische Kenntnisse und die Fähigkeit, bei jedem Schritt des Rechercheprozesses angemessen intervenieren zu können. Man könnte zum Verständnis von "Guided Inquiry" die große Unterrichtsvorbereitung des Lehramtsreferendars heranziehen, in der für die Planung eines Unterrichtsverlaufs das Thema und sein Bildungsinhalt, der Schüler und sein sozialer und psychischer Entwicklungsstand analysiert sowie geeignete didaktisch-methodische Schritte erörtert werden.
→ "Die pädagogische Wende in der information literacy", in: Basedow1764

Fraglich erscheint, ob die Vermittlung von Informationskompetenz sich allein auf den Umgang mit der Informationsflut des Internets beziehen darf. Die schon vor der Ausrufung der digitalen Informationsgesellschaft konstatierte Unfähigkeit, aus einem Zeitungsartikel Informationen entnehmen und wiedergeben zu können, wird eher noch verstärkt. Erste Befunde weisen darauf hin, dass das Lesen am Bildschirm (Hypertext) zur Veränderung von Lesegewohnheiten führt. Man klickt sich durch, überfliegt und kopert Gefundenes in sein Referat, ohne es gedanklich durchdrungen zu haben und es mit eigenen Worten wiedergeben zu können.

In einem umfassenderen Verständnis von Informationskompetenz (IK) müssten auch Entwicklungen in der Medien- und Internetindustrie thematisiert werden: Werbung in Suchmaschinen, Demand media, Nachrichtenproduktion durch PR- und Kommunikationsagenturen, Lobbyismus, Parteilichkeit und Oberflächlichkeit in den Informationsmedien.

Strittig ist, ob sich IK fächerunabhängig vermitteln lässt, etwa in einem eigenen Fach oder in Lehrgängen. Eine erste Untersuchung darüber, wie unterschiedlich Lehrer verschiedener Fächer mit der Vermittlung von IK umgehen, liegt vor.

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