Erstaunlich und erfreulich ist das Engagement der Softwarehersteller: Es gibt mehr als 50 Programme für Schulbibliotheken.

  • Das Hessische Kultusministerium kaufte nach einem aufwändigen Auswahlverfahren 1992 eine Landeslizenz von LITTERA. 1500 der etwas über 2000 Schulen setzen es inzwischen für die Bibliothek und/oder die Lehrbuchverwaltung ein.
  • Ein Blick auf die Website von Fleischmann lohnt sich, weil dort auch aktuell aus der Schulbibliothekswelt berichtet wird und es eine nützliche Linkliste gibt (pdf).
  • Perpustakaan heißt das Programm von Müller und Stein , das nach Aussagen des Herstellers selbsterklärend ist, d. h. keine Schulungen benötigt und in einer Minimalversion kostenlos ist.

Wer Informationen sucht:
Die Anbieterliste der Fachzeitschrift B.I.T nennt 52 Programme.
Eine Planungshilfe bietet die Büchereizentrale Lüneburg an.
Eine bibliothekarische Bachelorarbeit aus dem Jahr 2008 nennt Gesichtspunkte, die beim Kauf einer Software zu bedenken sind, und listet Datenblätter von Programmen auf.

Wesentlich sind die Module für Katalogisierung und Recherche im Katalog, evtl. auch für Ausleihe, ein OPAC sollte möglich sein. In der Regel genügen "Light"-Versionen, die für kleinere Bestände ausgelegt sind. Fremddatenübernahme sollte möglich sein. Bei manchen Anbietern ist das recht teuer, bei anderen kostenlos. Die Anbieter entwickeln Updates, sie geben Support, bieten Schulungen an und "hosten" den OPAC. Sie sollten auf jeden Fall gegenüber "handgestrickten" Programmen von Schülern oder Lehrern den Vorzug erhalten.

Besser als sich in der einzelnen Schule um die Finanzierung zu bemühen, ist es, wenn sich der Schulträger im Rahmen der Medienentwicklungsplanung um Software und (First Level-)Support kümmert.

Während es bei der Systematik sinnvoll ist, sich an der Stadtbibliothek zu orientieren, so es eine gibt, muss man das bei der Katalogisierungssoftware nicht unbedingt tun. Es gibt Anbieter, die die besonderen Belange von Schulbibliotheken besonders beachten (kleine Bestände,Übernahme der Schülerdaten aus der Schulstatistik, Module für die Lehrbuch-/LMF-Verwaltung, Veränderung von Klassen- und Schuljahresbezeichnungen usw.) In der Regel sind sie auch kostengünstiger, da die zu speichernden Datenmengen geringer sind und man auch nicht alle Features braucht, die eine große Stadtbibliothek benötigt.
Einer Zusammenarbeit Schulbibliothek/öffentliche Bibliothek stehen unterschiedliche Programme nicht im Weg. Da braucht man nur eine offene Schnittstelle. Die ist aber nicht überall erwünscht.

Da die Software der kommerziellen Anbieter für irregulär finanzierte Schulbibliotheken teuer ist und man mehr oder weniger gezwungen ist, Support, Update, Hosting zu abonnieren, sollte auch Open Source Software in den Blick kommen. Das sind lizenzfreie Programme, die kostenlos genutzt und auch verändert werden können. Es kann bei ihrer Installation nicht schaden, wenn man EDV-Fachleute an der Schule hat. Support und Weiterentwicklung gibt es in der Regel nicht.
Ein neuseeländisches Programm, Koha, hat inzwischen einen ansehnlichen Anwenderkreis, darunter auch große Bibliotheken. Gerade für Schulen, die keine riesigen Bestände haben und IT-Kundige im Kollegium, könnte Open Source Software zu einem Thema werden. Bei SWOPgibt es nach Eingabe von "koha" im Freitextfeld eine Trefferliste mit Materialien zu Koha.
Von der UNESCO unterstützt wird das kostenlose Greenstone, das vor allem in Entwicklungsländern (Asien, Lateinamerika) benutzt wird. Eine deutschsprachige Version gibt es anscheinend nicht.
Ein Blick über den Tellerrand lohnt, weil es anderswo auf der Welt sehr fortgeschrittene Programme gibt, z. B. Follett Destiny in USA.

Bei geschätzten 15-20.000 Schulbibliotheken in Deutschland ist das Interesse von Softwareherstellern durchaus vorhanden. Einige richten daher Internetportale mit neutralen Namen ein wie schulbibliotheksportal.de oder meine-schulbibliothek.de. Auf mancher vermeintlich neutraler Softwareempfehlungsliste fehlt der eine oder andere Hersteller.