Ausgangspunkt sollte die Frage sein: Welche Bücher brauchen wir in unserer Schulbibliothek?

• Ein schulisches und ein freizeitbezogenes Leseangebot, also eine Grundversorgung mit Büchern zu Themen des Unterrichts und Büchern, die Spaß am Lesen wecken.
• Ein ausgewogenes Verhältnis von erzählender Literatur zur Sachliteratur. Hierbei ist zu bedenken, dass Mädchen mehr, besser und häufiger sowie eher fiktionale Texte lesen, während Jungen Sachtexte und Texte mit informativen Inhalten vorziehen.
• Ein breit gefächertes und differenziertes Leseangebot hinsichtlich der Textlänge, Textsorte und Textschwierigkeit; altersgemäße Inhalte und altersgemäßes Anspruchsniveau; verschiedene Gattungen an Texten; Bücher, deren Inhalt und Ausgestaltung die Kreativität fördern. Die Einbindung anderer Medien (Hörkassetten, CDs, Spiele, CD-ROMs, Videos, Internet), ist im Hinblick auf eine unterrichtliche oder unterrichtsergänzende Nutzung sinnvoll.
(Nach einer Arbeitshilfe von Marie-Luise Wenndorf, Mitarbeit: Monika Soine, hrsg. vom Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz / Büchereistelle Koblenz, 2008)

Sehr viel hängt vom Programm der Schulbibliothek ab.
Wenn eine kooperierende öffentliche Bibliothek vorhanden ist, kann in Bezug auf die belletristische Literatur auf sie verwiesen werden oder deren Bestand auf dem Weg der Blockausleihe genutzt werden. Als bibliotheksfachliche Faustregel gilt: 30% Belletristik, 70% Sachbuch.
Kleinere Schulbibliotheken, deren Aufgabe es ist, zum Unterricht beizutragen, empfehlen wir, Themenschwerpunkte zu bilden. Dabei können durchaus die Fächer und Interessen der Lehrerinnen und Lehrern berücksichtiogt werden, die die Schulbibliothek häufig nutzen.

Zielbestand
Auch für Zielbestand, den die Bibliothek einmal erreichen soll, gibt es eine bibliotheksfachliche Empfehlung:
Für Schulen der Primarstufe empfehlen Schulbibliotheksexperten 5 - 10 Medieneinheiten (ME) pro Schüler/in.
Für die Sekundarstufe I 10, Sekundarstufe II 10-15 ME.

Mit folgenden Mindestbeständen kann man aber schon erfolgreich arbei­ten:
Grundschule 1.500
Mittelstufe 5.000
Oberstufe 3.000 - 5.000 ME
Dabei dürfen aber keine „Ladenhüter“ mitgezählt werden!

Zur Zeit muss mit einem Durchschnittspreis von etwa 15 Euro kalkuliert werden (erzählende Kinderliteratur ist günstiger, Bilderbücher und Kindersachbücher sind teurer). Der Aufbau des Bestandes kann auf mehrere Jahre verteilt werden.

Pflege
Bücher und Medien der Schulbibliothek müssen aktuell und attraktiv sein. Zerlesene und nicht mehr attraktive Titel müssen ersetzt werden. Oft entscheidet schon ein Cover mit altmodischen Frisuren oder Kleidern über das Schicksal des Buches. Eine Aussonderung sollte erfolgen, wenn:
• das Buch verschmutzt und zerschlissen ist,
• das Buch inhaltlich und optisch nicht mehr attraktiv ist,
• der Inhalt nicht mehr den neueren Erkenntnissen entspricht und ein aktuellerer Nachfolgetitel erhältlich ist,
• das Werk nicht mehr oder nur noch selten benutzt/ausgeliehen wird.
Der jährliche Ersatzbedarf wird aus bibliotheksfachlicher Sicht mit 5-8% des Zielbestandes angegeben (Aussonderung wegen Verlusts, Beschädigung, Inaktualität).

Präsentation
Vor allem in Grund- und Mittelstufe und wenn es um die Förderung der Lesekultur geht, sollten viele Bücher mit dem Cover und nicht mit dem Buchrücken präsentiert werden. Zu berücksichtigen ist auch, dass das oberste Regalbrett von den Schüler/innen noch gesehen und erreicht werden kann und dass auch schon junge Leute sich ungern bücken und im untersten Regal nach Lektüre suchen.
Lexika, Reihen wie "Sehen-Staunen-Wissen" und "Was ist was?" sollten einen eigenen Platz haben und nicht in der Systematik untergehen. Gerne angenommen wird auch das "Abi-Regal" mit wichtiger Literatur für Abiturienten.

Wo gibt es Hilfe?
Öffentliche Bibliotheken haben eigene Lektorate und abonnieren Besprechungsdienste. (Tipp: Die LAG hatte für die Mitglieder die Vorschlagsverzeichnisse der schulbibliothekarischen Arbeitsstelle der Stadtbibliothek Frankfurt am Main für Grundschule, Mittelstufe und Oberstufe angekauft und auch dem Kultusministerium zum Ankauf empfohlen. Diese Listen enthalten für öffentliche Bibliotheken empfohlene Bücher und Medien, bei denen die lektorierenden Bibliothekarinnen und Bibliothekare auch eine Eignung für Schulbibliotheken ausgesprochen haben.)
Die Erwartung, dass Fachlehrerinnen und Fachlehrer geeignete Bücher vorschlagen können, erfüllt sich nicht immer, ihnen sollte aber Gelegenheit gegeben werden.
Schülerinnen und Schüler sollten ebenfalls Vorschläge machen können ("Wunschbuch").

Die LAG hat es über viele Jahre geschafft, vor den Sommerferien und dem Weihnachtsfest Empfehlungslisten herauszugeben ("Sommerlesetipps", "Weihnachtswunschzettel", die zwar als Geschenk- und Lektüretipps gedacht sind, aber auch zum Bestandaufbau herangezogen werden können. Das gilt auch für die Listen des Projekts "Die Bibliothek in der Kiste".
Wer sich regelmäßig in den Feuilletons und mehrmals im Jahr erscheinenden Literaturbeilagen großer Zeitungen und in Fachzeitschriften ("Eselsohr") informiert, wird sich wünschen, einen größeren Etat zu haben.
Die Bibliotheksausstattungsfirma ekz bietet eine standing order, ein Lieferabonnement, für Kinder- und Jugendbücher an. Die Zusammenarbeit mit einer guten Buchhandlung ist sehr empfehlenswert. Es gibt Buchhandlungen, die ebenfalls standing orders anbieten. (Wie das z. B. Anagramm in Berlin tut.)
Moderne Antiquariate und "Bücheraktionstische" der Kaufhäuser oder Discounter sollte man im Auge behalten.

Eine Einschränkung ist bei den hier genannten Hilfen zu machen: Eine Garantie für häufige Nutzung oder Ausleihe gibt es nicht. Hilfreich wäre es, wenn die in den Schulbiliotheken Arbeitenden sich untereinander austauschten und auf "gut gehende" Bücher und Medien aufmerksam machten.

Hilfreich sind die Hinweise auf schulmediothek.de. (Wenn man davon absieht, dass der Träger dieser Seite, der Deutsche Bibliotheksverband seine Informationen gerne und ausschließlich mit Links zum Bibliotheksausstatter ekz GmbH versieht.

Etwas aufwändig, aber sehr hilfreich bei der Ermittlung von Stärken und Schwächen des Bestandes ist das Collection Mapping.